Fibromyalgie: Diagnose

Diagnose | Tender Points Test

Fibromyalgie – Diagnose

Grundsätzlich ist zu sagen, dass es auch heute oftmals noch sehr lange dauert – nicht selten bis zu über 5 Jahre – bis die endgültige Diagnose Fibromyalgie-Syndrom feststeht. Dies hat mehrere Gründe. Ein wichtiger Grund ist leider immer noch, dass einige Ärzte mit der Krankheit Fibromyalgie wenig anfangen können.

Die Symptome sind bei der Fibromyalgie wie oben beschrieben ziemlich vielfältig und nicht immer bei jedem Patienten in gleichem Maße vorhanden. Die Laborwerte sind hingegen fast immer unauffällig. Viele Ärzte sehen die Fibromyalgie deshalb skeptisch und es kommt leider nicht selten vor, dass die leidtragenden Patienten extrem kontraproduktive Sätze wie „Fibromyalgie gibt es nicht!“ oder „Fibromyalgie ist nur eine Verlegenheitsdiagnose, die gestellt wird, wenn man sonst nichts findet!“ zu hören bekommen (Ratschlag: Sollten Sie jemals diese oder ähnliche Sätze zu hören bekommen, lassen Sie sich davon nicht entmutigen und wechseln Sie direkt Ihren Arzt!). Dabei ist es eigentlich unstrittig, dass das Fibromyalgie-Syndrom eine Krankheit ist und tatsächlich existiert. Sowohl die medizinische Forschung als auch die Tatsache, dass das Fibromyalgie-Syndrom von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) in ihrem ICD-Katalog zur Klassifizierung von Krankheiten ganz offiziell als eigenständige Krankheit klassifiziert wurde (ICD-Code: M79.7), belegen dies eindeutig.




Die Diagnose der Fibromyalgie kann unter Umständen trotzdem sehr lange dauern, weil die Symptome so vielfältig sind und die Schmerzen in Lokalisation und Intensität von Patient zu Patient variieren. Ein einheitlicher und unumstößlicher Fibromyalgie-Test (siehe: Tender-Points-Test) ist bis dato noch nicht bekannt. Auch bildgebende Verfahren, wie etwa Röntgen, Ultraschall oder MRT, ergeben keinen Aufschluss. Deshalb liegt der Fokus bei der Diagnose des Fibromyalgie-Syndroms derzeit noch auf der Anamnese und dem Ausschluss anderer Erkrankungen, die die vorhandenen Symptome hinreichend erklären könnten.

Die aktuelle Leitlinie zum Fibromyalgie-Syndrom empfiehlt zur Diagnose der Krankheit die folgenden Punkte:

  1. Anamnese

    • Erhebung der Krankengeschichte
    • Erfassung der Schmerzorte
  2. Körperliche Untersuchung

    • Bewegungsapparat
    • Organe
    • Nervensystem
    • Seelisches Befinden
  3. Basislaboruntersuchung

    • Blutsenkungsgeschwindigkeit, C-reaktives Protein, kleines Blutbild (Ausschluss rheumatoide Arthritis, Polymyalgia rheumatica)
    • Kreatininkinase (Ausschluss Muskelerkrankungen)
    • Kalzium (Ausschluss Stoffwechselerkrankungen)
    • TSH (Ausschluss Schildrüsenerkrankung)
    • Rheuma-Antikörper (Ausschluss entzündlich-rheumatischer Erkrankungen)
  4. Weitergehende technische Untersuchungen (ohne klinischen Befund nicht sinnvoll)
    • Bildgebende Verfahren
    • Weiterführende Laboruntersuchungen
    • Neurophysiologie
  5. Weitergehende fachärztliche Untersuchung (ohne klinischen Befund nicht sinnvoll)
    • Psychologische Untersuchung
    • Neurologische Untersuchung
    • Orthopädische Untersuchung

Überprüfung der Tender Points

Da es in den letzten Jahren immer mehr neue Studien zum Fibromyalgie-Syndrom gibt, werden auch die Leitlinien zur Diagnose ständig überarbeitet. Bis vor kurzem war der Tender-Points-Test noch der wichtigste Test zur Diagnose der Fibromyalgie. Die Tender Points (auch als Trigger Points oder Druckpunkte bezeichnet) sind 18 Punkte am Körper (meist Übergänge von Muskeln und Sehnen), die besonders empfindlich auf Druck reagieren. Das ACR (American College of Rheumatology) hatte in seiner Leitlinie von 1990 festgelegt, dass das Fibromyalgie-Syndrom vorliegt, wenn ein Patient bei einer Überprüfung der Tender Points mit einem Druck von 4 Kg angibt, dass mindestens 11 von 18 Punkten besonders schmerzhaft sind. In den letzten Jahren wurde die übermäßige Fokussierung auf die Tender Points allerdings immer häufiger kritisiert. Hauptkritikpunkte waren mangelnde Aussagekraft (Patienten mit mehr als 11 schmerzhaften Tender Points haben nicht zwangsweise Fibromyalgie) und Ungenauigkeit (Patienten mit ansonsten vollständiger Fibromyalgie-Symptomatik besitzen teilweise auch nur 9 oder 10 schmerzhafte Tender Points). Inzwischen hat die Überprüfung der Tender Points zur Diagnose von Fibromyalgie deshalb an Bedeutung verloren. Der Fokus auf den Tender-Points-Test als einziges Diagnosekriterium für das Fibromyalgie-Syndrom gilt als überholt.

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